Lilly kämpft sich ins Leben
30.10.2025
Lilly war winzig, kaum größer als eine Handvoll Leben. 1210 Gramm zeigte die Waage, als Dorothea (44) und Florian Peters (49) aus Wasbek ihre Tochter in der 32. Schwangerschaftswoche im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) in Neumünster zur Welt brachten. Eine Sepsis hatte das kleine Mädchen schwer geschwächt. „Das war eine Zeit, in der wir dem Tod näher waren als dem Leben“, sagt Vater Florian Peters leise. Das war vor zweieinhalb Jahren. Noch heute spürt er die Nachwirkungen dieser Zeit. Schon der erste Sohn war ein Frühchen. Für Dorothea und Florian Peters war es nicht das erste Mal: Schon Jonathan, ihr ältestes von insgesamt acht Kindern, kam vor 24 Jahren als Frühchen zur Welt – in der 30. Woche. „Damals gab es noch keine Nachsorge, keine Ansprechpartner für die Zeit nach dem Krankenhaus“, erinnert sich Dorothea. „Bei Lilly war das ganz anders.“ Und dafür ist die Familie sehr dankbar. Heute, zweieinhalb Jahre später, sitzt Lilly lachend zwischen ihren sieben Geschwistern. Sie hat sich tapfer ins Leben gekämpft, bekommt regelmäßig Krankengymnastik, weil die linke Körperseite etwas schwächer ist. „Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass es ihr heute so gut gehen würde, ich hätte sofort ja gesagt“, sagt ihr Vater. Begleitet wurde die Familie vom Bunten Kreis Nord, vertreten durch Verena Beyer und Anke Lux – zwei Frauen, die für viele Familien im Raum Neumünster zu stillen Heldinnen geworden sind. Familienkinderkrankenschwester Beyer (51) und Intensivkinderkrankenschwester Lux (66) betreuen als „Case-Managerinnen“ Eltern in einer Phase, in der nichts mehr sicher scheint. „Wir kennen die Kinder schon im Krankenhaus und helfen, wenn sie nach Hause kommen“, sagt Lux. Viele Eltern fragen sich dann: Wen kann ich jetzt noch anrufen? Bei Familie Peters war Verena Beyer die rettende Stütze. Sie half beim Abpumpen der Milch, erklärte die Pflege, beruhigte in Momenten voller Angst. „Verena war immer gelassen – sie hat uns Sicherheit gegeben“, sagt Florian, der von eigenen Angstzuständen berichtet. Für Dorothea Peters war die Nachsorge auch praktisch unbezahlbar: „Ich wusste gar nicht, dass wir einen Pflegegrad beantragen können. Ohne Verena hätten wir das alles nicht geschafft.“ Bunter Kreis Nord half bereits 400 Familien. Seit 2007 begleitet der Bunte Kreis Nord Familien mit Frühchen und chronisch kranken Kindern – inzwischen rund 400 Familien allein im Raum Neumünster, Kreis Segeberg und Teilen von Rendsburg-Eckernförde. Finanziert wird die Arbeit zum Teil über Krankenkassen. „Wir arbeiten zusammen nur 0,6 Vollzeitstellen, sind viel unterwegs – ohne Spenden ginge es nicht“, sagt Beyer. Trotzdem machen sie weiter, mit viel Herzblut. „Wir geben viel, aber wir bekommen auch viel zurück“, sagt Lux. „Wir werden Teil einer sehr intimen Lebensphase. Wenn die Hilfe endet, fällt auch uns der Abschied schwer.“ Etwa jedes elfte Neugeborene ist ein sogenanntes Frühchen. Etwa 9000 von ihnen wiegen weniger als 1500 Gramm und kämpfen um ihr Überleben. Doch auch späte Frühchen, die nur wenige Wochen zu früh kommen, haben oft einen schwierigen Start. Für Familie Peters ist klar: Ohne Unterstützung hätten sie diese Zeit kaum geschafft. „Man denkt, man weiß alles – besonders beim achten Kind“, sagt Florian Peters. „Aber dann steht man plötzlich wieder ganz am Anfang.“ Heute blickt Dorothea Peters dankbar zurück: „Ich kann Verena jederzeit anrufen, wenn etwas ist. Diese Sicherheit ist unbezahlbar.“ Und Lilly? Sie ist ein kleiner Wirbelwind. „Sie hat sieben Geschwister und lässt sich nichts gefallen“, sagt ihre Mutter lachend. Vielleicht war sie zu früh dran mit dem Leben – aber jetzt ist sie mittendrin. Hinweis: Der vorstehende Artikel wurde von Grischa Malchow verfasst und veröffentlicht. Die Wiedergabe auf unserer Homepage erfolgt mit freundlicher Genehmigung bzw. unter Angabe der Quelle.
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